Ablauf und Behörde

Warum die Behörde eine MPU anordnet

Lesedauer 3 Minuten · von Hans-Paul Kühn

Warum die Behörde eine MPU anordnet

Der Brief kommt meistens unerwartet. Formell, sachlich, zwei Seiten – und darin ein Satz, der alles verändert: Es bestehen Zweifel an Ihrer Fahreignung. Beizubringen ist ein medizinisch-psychologisches Gutachten.

Fast jeder, der bei mir anruft, hat diesen Brief in der Hand und zwei Fragen im Kopf: Warum ich? Und: Durfte die Behörde das überhaupt? Ich beantworte hier die erste. Die zweite ist eine Rechtsfrage und gehört zu einem Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Die Behörde bestraft nicht – sie prognostiziert

Das ist der Denkfehler, mit dem die meisten in die Sache hineingehen. Die Strafe für das, was passiert ist, haben Sie bereits bekommen: Bußgeld, Geldstrafe, Fahrverbot, Sperrfrist. Die Fahrerlaubnisbehörde arbeitet an einer ganz anderen Frage. Sie schaut nicht zurück, sondern nach vorn: Ist zu erwarten, dass sich so etwas wiederholt?

Wer das verstanden hat, versteht auch, warum Empörung über die Anordnung in der Vorbereitung nicht weiterhilft – und warum ein tadelloses Führungszeugnis kein Argument ist.

Alkohol

Der häufigste Anlass. Auslöser sind in der Regel wiederholte Zuwiderhandlungen unter Alkohol oder eine einzelne Fahrt mit einem sehr hohen Wert – die Grenze liegt bei 1,6 Promille. Der Hintergrund ist verkehrsmedizinisch: Wer mit einem solchen Wert noch fährt, hat eine Trinkfestigkeit entwickelt, die sich nicht nebenbei ansammelt.

Die entscheidende Weiche wird danach gestellt: Reicht der zuverlässige Verzicht auf das Fahren nach Alkohol, oder ist der Umgang mit Alkohol selbst das Thema? Davon hängt ab, ob ein Abstinenznachweis nötig wird oder nicht.

Drogen und Medikamente

Hier reicht oft schon ein einzelner Vorfall. Bei Cannabis hat sich mit dem Cannabisgesetz und dem Grenzwert von 3,5 ng/ml THC einiges bewegt – allerdings anders, als viele hoffen. Bewertet wird heute stärker das Gesamtbild: Konsummuster, Häufigkeit, die Fähigkeit, Konsum und Fahren zuverlässig zu trennen, und die Frage, wie stabil das ist. Wer daraus schließt, es sei entspannter geworden, irrt.

Ärztlich verordnete Medikamente werden eigenständig betrachtet. Sie sind kein automatisches Ausschlusskriterium, verlangen aber saubere Unterlagen.

Punkte

Acht Punkte im Fahreignungsregister führen zur Entziehung der Fahrerlaubnis. Auf dem Weg dorthin steht meist kein einziges dramatisches Ereignis, sondern eine lange Reihe kleiner. Genau das ist der Punkt: Bewertet wird nicht die letzte Überschreitung, sondern das Muster, das sich über Jahre gehalten hat – obwohl es Konsequenzen gab.

Weitere Anlässe

Daneben gibt es Anlässe, die sich schlecht in Kategorien pressen lassen – etwa Auffälligkeiten in der Probezeit oder gesundheitliche Fragestellungen. Auch dafür gilt: Die Behörde formuliert im Anordnungsschreiben eine konkrete Fragestellung. Diese Fragestellung ist der Maßstab für alles, was danach kommt.

Lesen Sie nicht, was Ihnen vorgeworfen wird. Lesen Sie, was gefragt wird. Die Frage der Behörde ist Ihr Arbeitsauftrag.

Was Sie jetzt tun können

  • Suchen Sie im Anordnungsschreiben die genaue Fragestellung und schreiben Sie sie sich heraus.
  • Beantragen Sie Akteneinsicht bei der Fahrerlaubnisbehörde. Sie haben ein Recht darauf, und ohne die Akte arbeiten Sie mit Vermutungen.
  • Klären Sie früh, ob ein Abstinenznachweis gefordert ist. Der Zeitraum beginnt mit der ersten kontrollierten Probe – jede Woche Zögern kostet Sie eine Woche.
  • Warten Sie mit dem Termin bei der Begutachtungsstelle, bis Sie inhaltlich vorbereitet sind. Es gibt selten einen Grund zur Eile, aber viele, es richtig zu machen.

Wenn Sie unsicher sind, welcher dieser Anlässe auf Sie zutrifft und was daraus folgt: Genau dafür ist das Erstgespräch da.

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