Bei Alkohol und Drogen gibt es meistens ein Ereignis, das alles ausgelöst hat. Eine Fahrt, eine Kontrolle, ein Wert. Bei Punkten ist das anders. Da gibt es kein Drama, sondern eine Liste. Und wer sie zum ersten Mal vollständig vor sich sieht, ist oft selbst überrascht, wie lang sie geworden ist.
Acht Punkte im Fahreignungsregister führen zur Entziehung der Fahrerlaubnis. Fast niemand kommt dorthin durch eine einzelne schwere Sache. Man kommt dorthin durch Wiederholung – und genau das ist der Grund, warum eine Punkte-MPU anders funktioniert, als die meisten erwarten.
Nicht die Tat wird geprüft, sondern das Muster
Der häufigste Fehler in der Vorbereitung ist, sich auf den letzten Eintrag zu konzentrieren. Der letzte Eintrag ist aber nur der, bei dem das Konto voll war. Interessant ist die Reihe davor.
Denn eine Reihe von Verstößen über Jahre bedeutet: Es gab Konsequenzen – Bußgelder, Punkte, vielleicht ein Fahrverbot – und sie haben das Verhalten nicht verändert. Das ist die eigentliche Auffälligkeit. Nicht „zu schnell gefahren“, sondern „hat aus wiederholten negativen Erfahrungen nicht gelernt“.
Deshalb trägt der Satz „Ich passe jetzt besser auf“ in einer Begutachtung nicht. Er beschreibt einen Vorsatz. Geprüft wird, ob sich die Einstellung geändert hat, aus der das Verhalten kam.
Was hinter dem Verhalten steckt
In meiner Arbeit begegnen mir bei Punktefällen immer wieder drei Muster. Sie schließen sich nicht aus, und keines davon ist ein Charakterfehler.
Das Zeitmuster. Der Terminkalender ist zu voll, die Fahrt ist die einzige Stelle, an der sich noch etwas herausholen lässt. Wer so fährt, hat kein Verkehrsproblem, sondern ein Planungsproblem – das sich im Verkehr auswirkt.
Das Ärgermuster. Das Auto ist der Ort, an dem der Druck des Tages herausgelassen wird. Drängeln, Lichthupe, riskantes Überholen – nicht aus Eile, sondern aus Anspannung.
Das Gewohnheitsmuster. Die Regel ist bekannt, sie wird nur innerlich nicht anerkannt. Ein Tempolimit gilt dann als Empfehlung, die Sanktion als Pech. Das ist der klassische Fall – und der, bei dem am meisten zu holen ist, weil sich Gewohnheiten ändern lassen.
Sie müssen in der Begutachtung nicht bereuen. Sie müssen erklären können, warum es so weit gekommen ist – und was daran heute anders ist.
Warum in der MPU auch getestet und untersucht wird
Viele Punktekandidaten wundern sich über den Leistungstest und den ärztlichen Teil. Beides dient dem Ausschluss: Es soll geklärt werden, ob körperliche, neurologische oder Aufmerksamkeitsgründe eine Rolle spielen, bevor das Verhalten als Einstellungsfrage bewertet wird. Das ist keine Schikane, sondern saubere Diagnostik – und es ist gut für Sie, dass sie stattfindet.
Eine Übung, mit der ich fast jede Punktevorbereitung beginne
Holen Sie sich Ihren Registerauszug und legen Sie alle Eintragungen zeitlich untereinander. Dann schreiben Sie neben jeden Eintrag drei Dinge:
- Wo wollte ich hin und wie viel Zeit hatte ich?
- Wie ging es mir an diesem Tag – angespannt, müde, geärgert, gleichgültig?
- Was habe ich mir danach gesagt, um es abzuhaken?
Die dritte Spalte ist die wichtigste. Dort steht in Ihren eigenen Worten, wie Sie es geschafft haben, dass sich nichts ändern musste. Wenn Sie diese Spalte ehrlich füllen, haben Sie den schwierigsten Teil Ihrer Vorbereitung bereits begonnen.