MPU-Wissen

Mein 9-Schritte-Konzept: Wie eine MPU-Vorbereitung bei mir abläuft

Lesedauer 4 Minuten · von Hans-Paul Kühn

Mein 9-Schritte-Konzept: Wie eine MPU-Vorbereitung bei mir abläuft

Die meisten Menschen, die mich anrufen, haben dieselbe Frage im Kopf, sprechen sie aber erst nach ein paar Minuten aus: „Was muss ich denn sagen, damit das klappt?“ Ich verstehe die Frage. Sie ist trotzdem der falsche Anfang – und ich sage das gleich im ersten Gespräch.

Eine Begutachtung prüft nicht, ob Sie die passenden Sätze kennen. Sie prüft, ob sich etwas verändert hat und ob diese Veränderung trägt. Gutachterinnen und Gutachter sind darauf geschult, auswendig Gelerntes zu erkennen; sie fragen nach, bis das Gerüst wackelt. Deshalb arbeite ich nicht mit Antwortlisten, sondern in neun Schritten, die aufeinander aufbauen. Wie diese Schritte aussehen, beschreibe ich hier – damit Sie wissen, worauf Sie sich einlassen, bevor Sie mich anrufen.

1. Erstgespräch – kostenlos, unverbindlich, ehrlich

Wir sprechen über Ihren Anlass, den Stand des Verfahrens und darum, was Sie bisher unternommen haben. Ich sage Ihnen offen, was ich für nötig halte – auch dann, wenn das mehr Aufwand bedeutet, als Sie sich erhofft hatten. Wenn ich der Meinung bin, dass Sie mich noch gar nicht brauchen, sondern zuerst etwas anderes erledigen sollten, sage ich Ihnen das ebenfalls. Sie gehen aus diesem Gespräch mit einer Einschätzung, nicht mit einem Vertrag.

2. Onboarding – Ordnung in die Unterlagen

Bevor inhaltlich gearbeitet wird, klären wir das Formale: Welche Unterlagen liegen vor, was fehlt, was ist zeitkritisch. Vor allem: Haben Sie bereits Akteneinsicht bei der Fahrerlaubnisbehörde beantragt? Diesen Schritt lassen die meisten aus – und arbeiten dann monatelang mit einem lückenhaften Bild ihres eigenen Falls.

3. Aktenanalyse und Planung

Ich lese Ihre Unterlagen vollständig. Daraus ergibt sich, welche Fragestellung die Behörde tatsächlich stellt und was daraus folgt – etwa, ob ein Abstinenznachweis erforderlich ist, welcher Zeitraum abgedeckt sein muss und ab wann die Uhr überhaupt läuft. Erst danach steht ein Zeitplan. Vorher wäre jeder Termin geraten.

Ein Hinweis, der real Zeit spart: Ein Nachweiszeitraum beginnt mit der ersten kontrollierten Probe, nicht mit dem Tag des letzten Konsums. Wer sich zu spät in ein Programm einschreibt, verschenkt Monate.

4. Analyse Ihrer Situation

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Wir schauen uns nicht den Vorfall an, sondern die Kette davor: Was ging voraus, in welcher Lage waren Sie, was hat das Verhalten Ihnen kurzfristig gebracht, und was hat es Sie langfristig gekostet. Diese Kette ist bei jedem anders. Sie ist der Grund, warum Musterantworten nicht funktionieren können: Eine fremde Erklärung passt nicht auf Ihr Leben.

5. Selbstreflexion

Zwischen den Terminen arbeiten Sie selbst. Ich gebe Ihnen Fragen mit, keine Lösungen. Das ist der unbequemste Teil der Vorbereitung und zugleich der, an dem später alles hängt. Wer hier ehrlich arbeitet, muss in der Begutachtung nichts konstruieren – er erzählt einfach, was er über sich herausgefunden hat.

6. Vorbereitung auf das verkehrspsychologische Gespräch

Erst wenn Inhalt da ist, arbeiten wir an der Form. Wie ist ein solches Gespräch aufgebaut, warum wird nachgefragt, warum wirkt manches wie ein Verhör, obwohl es keines ist. Ziel ist nicht, dass Sie besser klingen. Ziel ist, dass Sie das, was Sie ohnehin verstanden haben, unter Anspannung noch abrufen können.

7. Simulation

Ein Durchgang unter realistischen Bedingungen, mit den unangenehmen Fragen. Danach bespreche ich mit Ihnen, wo Ihre Darstellung trägt und wo sie ausweicht. Nicht selten ist genau diese Stunde der Moment, in dem jemand zum ersten Mal merkt, an welcher Stelle er sich selbst noch etwas vormacht.

8. Teilnahmebescheinigung

Über die geleistete Vorbereitung stelle ich Ihnen eine Bescheinigung aus, in der Umfang und Inhalte dokumentiert sind. Sie ist ein Beleg dafür, dass Sie strukturiert gearbeitet haben – und kein Ersatz für diese Arbeit.

9. Nachgespräch

Nach der Begutachtung sprechen wir noch einmal. Fällt das Gutachten positiv aus, geht es darum, wie Sie das Erarbeitete im Alltag halten. Fällt es negativ aus, sortieren wir gemeinsam, was die Begründung tatsächlich sagt und was daraus folgt. Ich lasse niemanden mit einem negativen Gutachten allein – das ist der Moment, in dem Begleitung am meisten zählt.

Ich bereite Sie nicht auf ein Gespräch vor. Ich begleite Sie durch eine Veränderung, die einem Gespräch standhält.

Was das für Sie heißt

Wie lange dieser Weg dauert, hängt von Ihrem Fall ab – vor allem davon, ob ein Nachweiszeitraum abzudecken ist. Ich arbeite ausschließlich im Einzelsetting, online deutschlandweit oder persönlich in Remagen. Was ich Ihnen nicht sagen kann und nicht sagen werde, ist, wie eine Begutachtung ausgeht. Das entscheidet die Begutachtungsstelle, nicht ich.

Rechtliche Fragen – Fristen, Widerspruch, Klage – gehören zu einem Fachanwalt für Verkehrsrecht. Ich bin Verkehrspsychologe, kein Rechtsanwalt, und halte diese Grenze bewusst ein.

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